Jeder ist Teil der Show

14.11.2016

 

ZO/AvU Montag, 14. November 2016

 

USTER Zum sechsten Mal fanden im Stadthofsaal die Boogie Nights statt – vor viel Publikum. Dass dieser Anlass so gut ankommt, liegt nicht zuletzt an der guten Organisation.

 

Jeweils rund 600 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten die internationalen Boogie Nights, die am vergangenen Donnerstag und Freitag zum sechsten Mal über die Stadthofsaal- Bühne gingen. Da zweimal dasselbe Programm geboten wurde, bezahlten folglich rund 1200 Musikfans die Eintrittspreise von durchschnittlich 52 Franken – ein schöner Erfolg für die Organisatoren um Chris Conz.

Damit straft Conz mit seinem Festival Jahr für Jahr all jene Ustermer Kulturpessimisten Lügen, welche die drittgrösste Stadt des Kantons als Schlafstadt bezeichnen und die Nähe zu Zürich immer wieder als Hauptgrund für schlecht besuchte Kulturanlässe anführen.

 

Bekannte Klänge

Wie schafft das der Ustermer Organisator nachhaltig? Erstens sicher mit der Auswahl der Künstler. «Es gibt weltweit viele Boogie- Woogie-Festivals, und die Musiker laden sich gegenseitig ein», so Conz. So spiele beispielsweise der US-Amerikaner Chase Garrett in Uster, und im Gegenzug spiele er dann am kommenden Freitag an Garretts Festival in Iowa City. «Damit teilen wir uns die doch erheblichen Reisespesen », so Conz lachend, der bei der Auswahl der Künstler auch stets das Gesamtprogramm des Abends im Auge hat. «Erst, wenn ich den ersten Pianisten fix gebucht habe, frage ich den zweiten an und so weiter. Damit habe ich im Programm, innerhalb der musikalischen Grundrichtung, genug Abwechslung.»

Demzufolge gibt es stilistisch bei den Boogie Nights in Uster keine Überraschungen: Es herrschen die Boogie-Woogie-, Bluesund Jazz-Klassiker vor, auf Experimentelles wird fast gänzlich verzichtet. Viele Musiker werden zwar von Conz mit dem Vermerk angesagt, dass «sie auch Eigenkompositionen geschrieben haben », der Grossteil der gespielten Musik jedoch sind Interpretationen. Der Besucher weiss damit im Vorfeld mehr oder weniger: «Wo internationale Boogie Nights Uster draufsteht, ist auch Boogie-Woogie drin.» Aber diese meist stromlinienförmige Musik wird durchs Band von Könnern interpretiert. Bei der Qualität macht Conz seit Anbeginn des Festivals keine Abstriche.

 

Viel Atmosphäre

Zweitens schafft es Conz, aus dem Stadthofsaal das Maximum an Atmosphäre herauszuholen. Mit Dekorationspflanzen und gedämpftem Licht beim Eingang und auf der Bühne und vor allem mit zwei grossen Bildschirmen, welche die wirbelnden Pianistenfinger im Close-up zeigen, wird der Zuschauer gebannt. Die permanent wechselnden Musiker – immer mit einem Special Guest an einem Nicht-Tasteninstrument – und zusätzliche Showacts wie Slapstick-Einlagen und jungen Tänzerinnen und Tänzer lassen kaum Langeweile aufkommen.

Die Künstler wissen: Jeder ist Teil der Show, für langfädige Selbstdarstellungen ist kein Platz. Kommt hinzu, dass man in der Boogie-Woogie-Szene Wert auf gute Kleidung legt. Alle Musiker sind von Schuh bis Scheitel herausgeputzt und vermitteln dem Besucher damit, dass man an einem stilvollen Event teilnimmt. Ganz in der althergebrachten Tradition: «Chum, mer gö z Tanz.»

 

Professionelle Qualität

Schliesslich sorgt Chris Conz für eine perfekte Organisation. Dass heuer beispielsweise auch vor der Eingangstür eine kleine Bar aufgebaut wurde, zeigt, dass man flexibel auf die Enge des inneren Eingangsbereichs reagiert. Dies wird auch noch positiv formuliert, indem man auch den Rauchern ihre eigene Bar bietet.

Der Ablauf des Programms zeitigt bei den Boogie Nights nie diese kleinen organisatorischen Pannen, welche bei provinziellen Kulturanlässen immer wieder vorkommen – etwa die nicht richtig funktionierende Heizung, plötzliches Pfeifen im Mikrofon oder wenig souveräne Ansagen. Bei Chris Conz und seinen Boogie Nights zieht sich eine professionelle Qualität durch den Anlass, die nie unterschritten wird.

Und das Publikum in Uster dankt es mit quantitativem Zuspruch und durch absolute Offenheit. Der Österreicher Martin Pyrker musste zwischen zwei Stücken beispielsweise nur sagen: «Ich spreche auch Fremdsprachen: Grüezi mitenand» – und der halbe Stadthofsaal lachte lauthals.

 

Nebst viel Musik wurde an den internationalen Boogie Nights im Stadthofsaal auch zusätzliche Showacts wie etwa Auftritte von jungen Tänzerinnen und Tänzern geboten.

 

Andreas Leisi

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